Soziale Referent*innen identifizieren - Wer ist besonders gut im schulischen Netzwerk vernetzt?
Das Webtool spielt eine zentrale Rolle, um das soziale Netzwerk der Schule zu visualisieren und die sozial am stärksten vernetzten Schüler*innen zu identifizieren. Diese Auswahl an Schüler*innen – die Sozialen Referent*innen – werden gezielt eingeladen, um an der Projektgruppe teilzunehmen und das Schulklima aktiv mitzugestalten.
- Zum Webtool
- Technische Anforderungen
- Wie funktioniert die Auswahl?
- Kriterien für die Auswahl
- Warum ist diese Methode sinnvoll?
- Wie sieht das soziale Netzwerk aus?
- Nutzungsanleitung
- Datenschutz
- Kontakt
Zum Webtool
Technische Anforderungen
Für die beste Nutzung des Webtools wird empfohlen, einen Computer oder Laptop zu verwenden. Die Nutzung auf Tablets oder Mobiltelefonen wird nicht empfohlen.
Wie funktioniert die Auswahl?
Das Webtool nutzt die Daten aus der vorherigen Online-Befragung und berechnet für jede*n Schüler*in zwei zentrale Netzwerkmaße:
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Indegree (Soziale Eingangsvernetzung) – Wie oft eine Person von Mitschüler*innen als soziale Bezugsperson benannt wurde (mit wem sie Zeit verbringen). Die 25 % mit den höchsten Nominierungen werden in die engere Auswahl genommen.
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Transitivität (Einbindung in Freundesgruppen) – Ein Maß dafür, wie sehr eine Person innerhalb einer festen Clique vernetzt ist. Schüler*innen, die nur innerhalb einer engen Freundesgruppe stark eingebunden sind, werden nicht als Soziale Referent*innen ausgewählt.
Kriterien für die Auswahl als Soziale*r Referent*in
Breite Vernetzung: Die Schüler*innen sollten nicht nur in einer einzigen Freundesgruppe verankert sein, sondern in verschiedenen sozialen Gruppen bekannt sein, um eine möglichst große Reichweite im Netzwerk zu haben.
Berücksichtigung von Jahrgang und Geschlecht: Die Auswahl erfolgt aus allen befragten Jahrgängen, idealerweise aber nur 7 bis 9 (siehe Die Befragung) und berücksichtigt eine ausgewogene Verteilung der weiblichen und männlichen Geschlechter. Schüler*innen, die eine diverse oder keine Geschlechtsangabe machen, werden zufällig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugewiesen. So ergeben sich 6 Gruppen, aus denen jeweils 3 Personen ausgewählt werden, um für die Projektgruppe eingeladen zu werden, die somit bis zu 18 Schüler*innen umfasst.
Warum ist diese Methode sinnvoll?
Durch diesen Ansatz wird sichergestellt, dass die Sozialen Referent*innen nicht nur aus einer Clique sind und nur dort wirken können, sondern breite Akzeptanz in der Schülerschaft haben und viele unterschiedliche Gruppen erreichen. Studien zeigen, dass dieses Vorgehen besonders wirksam ist, um soziale Normen nachhaltig zu beeinflussen, im Vergleich zu zufällig Ausgewählten (Paluck & Shepherd, 2012) .
Wie sieht das soziale Netzwerk aus?
Für die Visualisierung im Webtool werden in einem Graphen Personen durch Knotenpunkte und die sozialen Verbindungen der erfragten Nominierungen durch Pfeile dargestellt. Die Knotenpunkte der ermittelten Sozialen Referent*innen werden automatisch im Graphen lila markiert, während ihre Namen in einer Liste auf der rechten Seite angezeigt werden.
Abb. 1. Das soziale Netzwerk der Schülerschaft im Webtool mit den eingefärbten Sozialen Referent*innen, welche rechts aufgelistet werden.
Hinweis zu den Screenshots:
Alle in den Screenshots sichtbaren Namen wurden aus Datenschutzgründen geändert.
Nutzungsanleitung
1. Startseite
Nach der Anmeldung wird zunächst auf die Startseite geführt, die einen Überblick über die wichtigsten Funktionen gibt: das Datenmanagement und das Graph-Tool. Weiterhin zeigt sie die Liste der im Webtool berechneten Sozialen Referent*innen der Jahrgänge 7 bis 9, die zu der Projektgruppe und den Interventionssitzungen eingeladen werden können.
Abb. 2. Übersicht der Webtool-Startseite mit Menüpunkten für Datenmanagement, Graph-Tool und einer Liste der Sozialen Referent*innen.
2. Datenmanagement
Der Menüpunkt Datenmanagement führt zu den eingespeisten Daten der Schüler*innen-Befragung, wie ihr zugehöriger Name, Schulklasse, Geschlecht sowie die Anzahl eingehender und ausgehender Nominierungen der sozialen Beziehungen. Die Sozialen Referent*innen werden in dieser Liste fett markiert. Mit diesen Daten wird das soziale Netzwerk im Graph-Tool visualisiert.
Über dieser Liste wird eine Übersicht über die eingespeisten Daten des Graphen angezeigt: die Anzahl der befragten Schüler*innen (hier beispielsweise 238) und die Anzahl aller Verbindungen durch ein- und ausgehende Nominierungen (hier beispielsweise 602) sowie die Anzahl der zwei Selektionen zur möglichen Referent*innenauswahl. Notizen wurden in diesem Beispiel keine hinterlegt.
Abb. 3. Datenmanagement-Menü mit einer Liste der Schüler*innen, deren Schulklasse, Geschlecht sowie sozialen Nominierungen.
Über die Icons rechts neben “Beispielschule_Daten” lassen sich die Beziehungsformen sowie die Liste der Referent*innenauswahlen anzeigen. Ersteres wurde mit dem Befragungs-Item des Zeitverbringens definiert.
Abb. 4. Datenmanagement-Menü mit den angezeigten Beziehungsformen, die in das Webtool eingespeist wurden.
Zweiteres zeigt die zwei Selektionen in der Liste der Referent*innenauswahlen an, aus denen die Berechnung der Sozialen Referent*innen im Graph-Tool ausgewählt werden kann: die vom Forschungsteam entwickelte Berechnung nach Paluck & Shepherd (2012), oder eine zu vergleichende, zufällige Auswahl von 20 Personen (siehe Warum ist diese Methode sinnvoll?).
Abb. 5. Datenmanagement-Menü mit der Liste der Referent*innenauswahlen.
3. Graph-Tool
3.1 Standard-Ansicht
Der Graph des sozialen Netzwerks wird im obigen Menüpunkt Graph-Tool dargestellt. Die Legende unten links zeigt im Nutzungsverlauf Informationen über den Graphen an. In der voreingestellten Standard-Ansicht (Default-Modus) enthält sie Angaben zu den genutzten Daten und der aktuellen Darstellung. In dieser Standard-Ansicht werden im Schulnetzwerk die Knotenpunkte der Sozialen Referent*innen lila eingefärbt. Ihre Namen werden rechts in der Liste der Referent*innen aufgezeigt. Unten mittig erscheint ein Anzeigefenster zur aktuell gewählten Referent*innenauswahl. Voreingestellt ist die Berechnung nach Paluck & Shepherd (2012), die emphohlen wird zu nutzen.
Abb. 6. Visualisierung des sozialen Netzwerks mit lila eingefärbten Sozialen Referent*innen, einer Legende zur Interpretation sowie Anzeigefenster zur Referent*innenauswahl und ihrer berechneten, rechts aufgelisteten Referent*innen.
3.2 Interaktive Funktionen
Neben der Liste der Referent*innen können auch ihre Namen, Klassen- und Geschlechtszugehörigkeit direkt im Netzwerk angezeigt werden, indem man mit dem Mauszeiger an den Graphen heranzoomt. Durch gedrücktes Halten und Bewegen der Maus lässt sich der Graph verschieben. Führt man mit dem Mauszeiger über einen Knotenpunkt, wird dieser schwarz umrandet, und die oben genannten Eigenschaften erscheinen in einer zusätzlichen Einblendung mittig oben.
Abb. 7. Vergrößerte Ansicht des Netzwerks mit Namen, Klassen- und Geschlechtszugehörigkeit der Sozialen Referent*innen.
Per Rechtsklick auf die Knotenpunkte erscheinen rechts zusätzliche Details zu ihren Metadaten, darunter die Anzahl eingehender und ausgehender Nominierungen aus der Befragung. Die Daten der Schülerschaft, die nicht als Soziale Referent*innen ausgewählt wurden, werden im visuellen Netzwerk nicht angezeigt.
Abb. 8. Detailansicht nach Rechtsklick auf eine*n Soziale*n Referent*in mit Anzeige der eingehenden und ausgehenden Nominierungen.
3.3 Auswahlmöglichkeiten
In der Anzeige der Referent*innenauswahlen kann neben unserer emphohlenen Berechnung auch eine zufällige Selektion ausgewählt werden, die im Menüpunkt Datenmanagement definiert wurde. Diese dient jedoch lediglich zum Vergleich zur empfohlenen Auswahl. Die zufällige Auswahl zeigt zum Beispiel, dass auch Schüler*innen, die laut Befragung keine Verbindungen zu anderen Schüler*innen haben, als Soziale*r Referent*in ausgewählt werden könnten.
Abb. 9. Menü zur Auswahl der Berechnungsmethode für Soziale Referent*innen.
3.4 Menüfunktionen
Oben links im Graph-Tool befinden sich die Menüfunktionen 1. Farbgebung der Knotenpunkte und 2. Vergleich der zwei Referent*innenauswahlen.
3.4.1. Farbgebung der Knotenpunkte
Mit dieser Funktion können die Knotenpunkte der Personen und ihr Umfeld eingefärbt werden, um sie nach bestimmten Kategorien zu visualisieren. Zur Auswahl stehen: Geschlecht, Klasse, Soziale Referent*innen und die Distanz zu den Referent*innen. Letztere zeigt an, wie stark die Verbindungen ausgeprägt sind – ob sie wechselseitig bestehen, einseitig sind oder über andere Kontakte vermittelt werden. Je indirekter die Verbindung ist, desto schwächer wird die Farbintensität dargestellt. Die Legende gibt eine Übersicht über die jeweilige Farbkodierung.
Abb. 10. Menüfunktion zur Farbgebung: Die Sozialen Referent*innen sind durch eingefärbte Knotenpunkte und Umrandung hervorgehoben, ihr Umfeld ist nach Klassen farblich kategorisiert.
Abb. 11. Menüfunktion zur Farbgebung: Die Sozialen Referent*innen sind durch eingefärbte Knotenpunkte und Umrandung hervorgehoben, das Umfeld aller Personen ist nach ihrer Distanz zu den Referent*innen farblich kategorisiert.
3.4.2. Vergleich von Referent*innenauswahlen
Über diese Funktion lassen sich die zwei Referent*innenauswahlen miteinander vergleichen. Dabei wird das Umfeld der Knotenpunkte automatisch nach ihren Distanzen zu den Sozialen Referent*innen markiert. Der pinke Button aktiviert die empfohlene Auswahl und markiert das Umfeld entsprechend der Farbkodierung. Der orangene Button aktiviert die zufällige Auswahl. Zwischen diesen beiden Buttons befindet sich eine weitere Schaltfläche, die die Unterschiede zwischen beiden Auswahlen hervorhebt. Dabei stellt der Graph das Umfeld beider Referent*innenauswahlen direkt gegenüber.
Abb. 12. Menüfunktion zum Vergleich der zwei Referent*innenauswahlen. Aktiviert ist die empfohlene Auswahl über den pinken Button.
Abb. 13. Menüfunktion zum Vergleich der zwei Referent*innenauswahlen. Aktiviert ist die nicht empfohlene, zufällige Auswahl über den orangenen Button.
Abb. 14. Menüfunktion zum Vergleich der zwei Referent*innenauswahlen. Aktiviert ist die Anzeige zum Unterschied zwischen dem pinken und orangenem Button.
Datenschutz
An jeder teilnehmenden Schule hat ausschließlich eine autorisierte Person aus dem Schulpersonal Zugriff auf die Daten im Webtool. Diese Person muss eine unterzeichnete Verschwiegenheitserklärung abgeben, um die Vertraulichkeit der Daten zu gewährleisten. Die Namen der Sozialen Referent*innen sind für das autorisierte Schulpersonal sichtbar, um diese für die Intervention einzuladen. Die Daten der übrigen Schüler*innen bleiben im Graphen verborgen.
Kontakt
Bei Fragen zur Nutzung des Webtools oder dem Datenschutz sind wir unter tolerance[AT]uos.de erreichbar.