Stärkung des Zusammenhalts
Durch das Projekt sollen Normen an Schulen gefördert werden, die den sozialen Zusammenhalt stärken. Dazu wird ein sozialer Netzwerkansatz verwendet. Dieser besagt, dass es Schüler*innen gibt, die in ihrer Schule besonders gut vernetzt sind und ihren Mitschüler*innen dadurch als Orientierung dienen. Somit haben sie einen großen Einfluss auf die existierenden Normen. Im Forschungskontext werden diese Schüler*innen als Soziale Referent*innen bezeichnet (Paluck & Shepherd, 2012; Paluck et al., 2016). Im Rahmen des Projekts sollen die Sozialen Referent*innen einer Schule aus den Jahrgängen 7 bis 9 identifiziert und anschließend zu Projektgruppentreffen eingeladen werden. Aus entwicklungspsychologischer Sicht entsprechen diese Jahrgänge dem idealen Zeitraum für Interventionen, da die Adoleszenz eine Zeit erhöhter Sensibilität gegenüber sozialen Einflüssen ist (Blakemore & Mills, 2014; Dahl et al., 2018). Das Besondere an dieser Methode ist, dass auch Schüler*innen, die sich in AGs oder in der Schüler*innenvertretung sonst häufig nicht wiederfinden, erreicht werden und im Rahmen der Projektgruppentreffen das Miteinander an ihrer Schule mitgestalten können.
Um die Sozialen Referent*innen an der Schule identifizieren zu können, wird zunächst eine Online-Befragung durchgeführt. Der Fragebogen wurde von unserem Team erstellt und wird von den geschulten Mitarbeitenden der Schule betreut. Viele Menschen haben intuitiv eine Vorstellung davon, welche Verbindungen es zwischen Schüler*innen gibt. Das vollständige soziale Netzwerk einer Schule mit den komplexen Verbindungen und Dynamiken unter Schüler*innen lediglich durch Beobachtung zu erfassen, ist jedoch kaum möglich. Um dieses also aus Sicht der Schüler*innen zu eruieren, werden ihnen mithilfe von einem Online-Fragebogen, Fragen über ihre Beziehungen zu ihren Mitschüler*innen gestellt. Diese Befragung dauert nur wenige Minuten und ein Handy oder Tablet reichen für die Beantwortung aus.
Wenn sie mindestens 16 Jahre alt sind, können sie selbst entscheiden, ob sie an dem Projekt teilnehmen möchten. Wenn sie jünger als 16 Jahre sind, brauchen sie das Einverständnis einer erziehungsberechtigten Person. Nachdem die Projektinformationen eingesehen und zugestimmt wurde, speist unser Team die Namen der Teilnehmenden in die Nominierungsauswahl der Online-Befragung ein.
In dieser Befragung wird den Teilnehmenden die Frage gestellt, mit welchen Mitschüler*innen sie Zeit verbracht haben. Dazu können aus einer Liste Mitschüler*innen ausgewählt werden, die der Projektteilnahme zugestimmt haben. Wenn zum Beispiel Toni aus der 7b viel Zeit mit Luca aus der 8a und Sam aus der 7b verbringt, kann Toni deren Namen auswählen. Auf Basis der Antworten aller Schüler*innen lässt sich somit das soziale Netzwerk einer Schule erfassen.
Dieses Netzwerk wird im Anschluss an die Befragung mit einem speziellen, webbasiertem Tool für das Schulpersonal dargestellt. Außerdem wird ersichtlich, wer als Soziale*r Referent*in gilt und im nächsten Schritt des Projekts zur Intervention eingeladen werden kann.
WICHTIG: Nur eine für das Projekt zuständige, mitarbeitende Person an der Schule und die projektbezogenen Forscher*innen haben Zugang zu den erfassten Daten. Das soziale Netzwerk im Webtool zeigt lediglich die Anzahl anonymer Freundschaftsverbindungen zu den ausgewählten, namentlich genannten Sozialen Referent*innen. Im Fragebogen erhobene persönliche Angaben dienen ausschließlich den Zwecken dieses Projekts. Die verantwortliche Projektleitung und die weiteren beteiligten Forschenden versichern, dass die Daten nur so genutzt werden, wie sie in den Informationen über das Projekt beschrieben werden.